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Taubheit (Gehörlosigkeit)


Definition Allgemeines Ursachen Symptome Untersuchung Therapie Prognose
 
Definition

Taubheit bedeutet, dass Geräusche und Töne nicht mehr wahrgenommen werden können.
Man unterscheidet eine absolute Taubheit und eine praktische Taubheit. Bei letzterer können einzelne Töne oder Geräusche (Hörreste) noch wahrgenommen werden.
Hinsichtlich des Zeitpunktes der Taubheit teilt man in angeborene und erworbene Gehörlosigkeit.
Die erworbenen Taubheit wird unterschieden in: vor der Sprachentwicklung auftretende (prälinguale) und nach erfolgter Sprachentwicklung aufgetretender (postlinguale) Taubheit.

 
Allgemeines

In Deutschland leben ungefähr 80000 Gehörlose. Das sind ca. 0,1% der Bevölkerung. Jedes Jahr werden in Deutschland ca. 600 Kinder taub geboren.

Hören ist die Voraussetzung für die Sprechentwicklung. Ohne Hören kein Sprechen! Die Folge ist eine Taubstummheit.
Seit dem 17. Jahrhundert ist der Zusammenhang zwischen Gehörlosigkeit und Sprechen bekannt.
Diese Erkenntnis war Voraussetzung für die Schaffung von Gehörlosenschulen. Die erste Gehörlosenschule in Deutschland wurde 1788 von Ernst Adolf Eschke aus Leipzig als Taubstummen-Anstalt in Berlin gegründet.
Taubheit bedeutet Einschränkungen oder völliger Verlust der sprachlichen Kommunikation.
Sprachliche Kommunikation ist jener Teil des humanen Daseins, der uns zusammen mit den höheren Hirnleistungen vom Rest der Natur völlig unterscheidet. So kann Taubheit in unserer, auf das Hören und Sprechen ausgerichteten Gesellschaft, Vereinsamung, soziales Ausgestoßensein bis hin zum Verlust von Arbeitsplatz und Freundschaften bedeuten.

Ernst Adolf Eschke
Sehschwäche, so Kant, trenne von den Sachen, Schwerhörigkeit hingegen von den Menschen. Deshalb ist es wichtig, den tauben Manschen entsprechende Therapiemöglichkeiten und Hilfsangebote anzubieten.

Aus Sicht vieler Gehörloser findet eben dargestellte Position nicht ungeteilte Zustimmung. Sie sind der Meinung, dass Taubheit eine Facette in der biologischen und kulturellen Vielfalt der Menschheit ist und erhalten werden müsse. Sie sehen in der Gehörlosigkeit keinen Verlust oder gar eine Behinderung. Sie haben eine eigene Kultur und Sprache. Erst die Hörenden machen durch das Aufzwängen ihrer Vorstellungen und ihrer auditiven Umwelt den Tauben zum gesellschaftlich und sprachlich Behinderten.

 
Ursachen

Bei der Entstehung einer Taubheit unterscheidet man angeborene und erworbene Schädigungen.
Schwere angeborene Hörschäden können erbbedingt oder durch Einflüsse während der Schwangerschaft entstehen.

Eine erblich bedingte Taubheit ist dadurch gekennzeichnet, dass Teile des Hörorgans (Mittelohr, Innenohr, Hörnerv u.a.) nicht, oder nur unvollständig ausgebildet sind. Kinder tauber Eltern werden dann meist ebenfalls taub sein.
Viele erblich bedingte Schwerhörigkeiten sind mit Schäden an anderen Organen, wie Augen, Nieren, Knochen, Haut u.a. kombiniert.
Hochgradige Schwerhörigkeiten, die während einer Schwangerschaft (intrauterin) entstehen sind meist auf Infektionen (Röteln, Zytomegalie, Toxoplasmose, Lues) oder toxische Schäden (z.B. Medikamente mit ototoxischer Wirkung, wie bestimmte Antibiotika, Diuretika, Zytostatika, Alkohol, Nikotin) zurückzuführen.
Taubheit kann auch im Rahmen der Geburt auftreten (perinatal). Risikofaktoren sind Frühgeburt, Kernikterus oder Atemstillstand mit Sauerstoffmangel (Neugeborenen-Asphyxie).
Nach der Geburt (postnatal) erworbene Taubheit kann durch zerebrale Erkrankungen (Meningitis, Enzephalitis), Schädelbrüche, Infektionen (Mumps, Zoster oticus, Masern u.a.) sowie chronische Mittelohrentzündungen oder toxische Schäden (z.B. Streptomycin) verursacht sein.

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Symptome

Das Hören als einer der fünf Sinne ist komplett ausgeschaltet. Geräusche und Töne werden nicht wahrgenommen und darauf kann nicht reagiert werden.
Somit ist die Kommunikation mit der hörenden und sprechenden Umwelt erschwert.

Da das Hören Voraussetzung für den Erwerb von Sprache ist, treten oftmals Sprach- und Sprechstörungen auf. Taubheit beeinträchtigt Sozialkontakte und Berufschancen erheblich.

Bei angeborener Schwerhörigkeit können gleichzeitig Schäden an anderen Organen, wie Augen, Knochen, Nieren, Haut u.a. auftreten.

 
Untersuchungen

Bei Verdacht auf eine Schwerhörigkeit oder Taubheit erfolgt ein Hörtest (Audiogramm).
Um den Ort des Hörschadens und damit mögliche Therapien zu finden, können folgende Untersuchungen erfolgen:
  • objektiver Hörtest (BERA) zur Untersuchung des Hörnerven,
  • Messung otoakustischer Emissionen (OAE) zum Nachweis einer Schädigung äusseren Haarzellen des Innenohres
  • Gleichgewichtsprüfung zum Ausschluss einer Mitbeteiligung des Gleichgewichtsorgans,
  • Computertomographie (CT) / Magnetresonanztomographie (MRT) zum Nachweis ob anatomische Veränderungen im Bereich der Hörschnecke (Cochlea) oder des Hörnerven vorliegen
  • Promontorialtest zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Hörnerven bei vorgesehener Therapie mittels Cochlear Implant
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    Therapie

    Bei hochgradig schwerhörigen Patienten versucht man die Anpassung eines Hörgerätes.
    Erzielt man hierbei nicht eine ausreichende Hörverbesserung, besteht die Möglichkeit eines Cochlear-Implantates.

    Cochlear Implant:
    Das Cochlear-Implantat besteht aus einem inneren zu implantierenden Teil mit einer Elektrode, welche in die Hörschnecke eingeführt wird und einem äußeren Teil, dem Sprachprozessor.
    Das Prinzip besteht darin, dass Schallwellen über ein Mikrofon aufgenommen und im Sprachprozessor in elektrische Impulse gewandelt werden Diese werden über die Elektroden in der Hörschnecke direkt an den Hörnerven weitergeleitet.
    Elektrode in der Hörschnecke (Cochlea) des Innenohres

    Folgende Voraussetzungen müssen für ein Cochlear Implant erfüllt sein:
  • prä-, peri- und postnatal beidseitig ertaubte Kinder mit bestehender Leitfähigkeit des Hörnerven
  • beidseitig ertaubte oder hochgradig schwerhörige Jugendliche und Erwachsene
  • Positives Ergebnis im Promontorialtest,
  • Ausreichende anatomische Voraussetzungen (Hörschnecke bzw. Schneckenwindung muss vorhanden sein)
  • Keine schwerwiegenden Grunderkrankungen oder rezidivierende Entzündungen,
  • Nachgewiesene Lernfähigkeit und Lernwilligkeit, gute Lippenablesefähigkeit,
  • Gewährleistung einer entsprechenden Rehabilitation,
  • Intaktes und motiviertes soziales Umfeld.
  • Entscheidend für den Erfolg ist eine sich anschliessende Rehabilitation. Diese ist sehr umfangreich und langwierig und wird in speziellen Zentren durchgeführt. Hier wird das Hören und Sprechen "neu" erlernt. Nur ein ständiges Training und eine entsprechende Motivation führt zu sehr guten Erfolgen.
    Bei Kindern, die von Geburt an taub sind, werden die Implantate zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr eingesetzt, damit sich die Sprechfähigkeit herausbilden kann. Nach dem achten Lebensjahr ist das nicht mehr möglich.
    Bei Erwachsenen, die ertauben, ist eine Cochlearimplantation dann erfolgversprechend, wenn sie bereits sprechen konnten.

    Liegen Schäden am Hörnerven vor, besteht die Möglichkeit eines Hirnstamm-Implantats.
    Hierbei werden die Hörnervenkerne im Gehirn direkt über Elektroden gereizt. Zur Implantation ist ein neurochirurgischer Eingriff erforderlich. Eine intensive Rehabilitation ist ebenfalls erforderlich.
    Die Erfahrungen mit dieser Technik sind aber noch gering.

    Ist keine Operation möglich oder wird diese abgelehnt, muss die Taubheit akzeptiert werden. Andere Wege der Kommunikation wie Gebärdensprache, Lippenablesen, Computer u.a. finden Anwendung.
    Entsprechende Einrichtungen und Verbände leisten hierbei umfangreiche Hilfe.
    Die Dachorganisation ist der

    Das Fingeralphabet
    Als Ergänzung zur Gebädensprache wird das Fingeralphabet verwendet. Damit lässt sich die Schreibweise von einzelnen Wörtern darstellen.
    Es ist eine Kommunikationshilfe für Hörende und Gehörlose.

          Deutsche Gehörlosen-Bund
          Hasseer Straße 47
          24113 Kiel
          Homepage: http://www.gehoerlosen-bund.de

          Es existieren zahlreiche Landesverbände.

     
    Prognose

    Eine Taubheit wird sich ohne Behandlung nicht bessern.
    Wird eine Taubheit oder hochgradige Schwerhörigkeit früh erkannt und behandelt, kann die Sprachfähigkeit und geistige Entwicklung des Kleinkindes positiv beeinflusst werden.
    Das Cochlaer Implant hat sich in den letzten Jahren als Therapie zur Wiedererlangung des Hörens etabliert.

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