Insektengift-Allergie

Biene, Wespe und andere

Allergie gegen Insektengifte


Der Stich oder Biss von Insekten kann zu allergischen Reaktionen führen.
Diese werden durch das Insektengift (z.B. Biene, Wespe, Hornisse, Hummel, Ameise) oder durch Speichelsekret (z.B. Mücke, Bremse) ausgelöst.

Die Allergie tritt dabei nicht nach dem ersten Kontakt auf, sondern erfolgt erst bei einem erneuten Stich.

In Mitteleuropa sind vor allem Allergien auf Wespen- und Bienengift bekannt.
Da Wespen meist aggressiver als Bienen sind. Sie stechen häufig auch ohne Bedrohung. Bienen stechen in der Regel nur in einer für sie bedrohlichen Situation und sterben danach.
Daher zählen Wespenstiche mit etwa 70% zu den häufigsten Auslösern einer Insektengiftallergie. Bienen injizieren bei einem Stich mehr Gift als Wespen und führen so bei etwa 20% der Insektengiftallergiker zu Reaktionen.
In Deutschland gibt es rund 2,8 Millionen Insektengiftallergiker, bei denen ein Stich systemische Reaktionen hervorrufen.

Allergien gegen Hornissen- oder Hummelgift ist selten.

Hat ein Mensch erst einmal eine Insektengiftallergie entwickelt, können sich die Beschwerden bei jedem weiteren Stich verstärken.
Unter Umständen kann es zu lebensgefährlichen Situationen, wie einer Anaphylaxie kommen. Insektengiftallergien sind für ein Viertel aller anaphylaktischen Reaktionen verantwortlich.

Allein in Deutschland sterben jährlich etwa 20 Menschen an den Folgen eines Stichs.
Da eine vorhandene Allergie oftmals gar nicht gekannt ist, dürfte die Dunkelziffer deutlich höher sein.

Symptome


Schwellungen, Rötungen und Juckreiz an der Einstichstelle sind erste Symptome.
Sie klingen im Normalfall innerhalb von 24 Stunden ab.

Bei einem Stich in den Mund und Rachen können wegen der Schwellung die Atemwege verengt und das Atmen erschwert werden. Erstickungsgefahr besteht jedoch eher selten.

Gefährlicher sind systemische Reaktionen im Kreislaufsystem und den Atemwegen.
Diese können lebensbedrohlich werden. (Anaphylaktische Reaktion)

Leichte Reaktionen sind Quaddelbildung, Nesselsucht, Juckreiz am ganzen Körper, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, aber auch Schluckbeschwerden, allgemeines Schwächegefühl und Schwellungen im Gesicht oder an den Händen.

Schwere Reaktionen sind Atemnot, Blutdruckabfall, Herzrasen, Bewusstlosigkeit oder sogar Herz-Kreislaufstillstand.

Diagnose

Sind Sie von einer Biene- oder Wespe gestochen worden und haben eine ungewöhnlich starke lokale oder gar systemische Reaktion entwickelt, kann das für das Vorliegen einer Allergie sprechen.

Der Arzt wird bestimmte Blutwerte kontrollieren.
Passen Blutwerte, Anamnese und Symptome zusammen, ist eine Allergie wahrscheinlich.
Unter Umständen kann ein Hauttest (Prick-Test oder Stichprovokation) durchgeführt werden.


Biene

Bienen können an ihrem braunen Hinterleib und der starken Behaarung erkannt werden.

Sie fliegen vor allem in den Monaten März bis August.
Man kann sich merken: Für Bienengiftallergiker besteht ein erhöhtes Stichrisiko während der gesamten Blütezeit.

Wespe

Wespen können an ihrer sogenannten Wespentaille und ihren gelbschwarzen Körper erkannt werden.

Ein erhöhtes Stichrisiko besteht in den Monaten August bis Oktober.


Behandlung


Auf lokale Reaktionen an der Haut können kann eine Kortisonsalbe aufgetragen werden. Die Stelle sollte gekühlt werden.
Ein Antiallergikum sollte eingenommen werden.
Bei einem Stich in den Mund zur Kühlung Eiswürfen lutschen!

Langfristig bietet eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) wirksame Hilfe gegen eine Insektengiftallergie. Die Erfolgsraten nach einer 5-jährigen Behandlung liegen bei Bienengiftallergie über 80%, bei einer Wespengiftallergie bei über 95%.
Unter Umständen ist eine lebenslange Hyposensibilisierung notwendig (bei Vorliegen einer Mastozytose. Deshalb ist die Bestimmung der basalen Serumtryptase sinnvoll.)

Aufgrund der Ähnlichkeit der Gifte erfolgt die Hyposensibilisierung bei der Hornissengiftallergie mit Wespengift und bei der Hummelgiftallergie mit Bienengift.

 

Verhalten nach einem Stich:

Sind Sie gestochen worden, so entfernen Sie den Stachel möglichst schnell. Ziehen Sie ihn aber nicht mit den Fingern heraus (Giftsack könnte dabei ausgedrückt werden), sondern kratzen Sie ihn mit den Fingernägeln ab.

Informieren Sie eventuelle Begleiter über den Stich und die möglichen Folgen für Sie.

Sofort nach dem Stich sollte das Notfallset angewendet bzw. bereitgelegt werden.

Nach erfolgte Hyposensibilisierung werden die Medikamente nur angewandt, wenn trotzdem Beschwerden auftreten.

Informationen zum anaphylaktischen Schock finden Sie hier:

Tipps bei einer Insektengift-Allergie:


  • Nehmen Sie stets ein Notfallset mit sich und wenden Sie oder Ihre Begleitperson dieses sofort an, wenn Sie gestochen werden.
    Zum Notfallset gehören: Antistaminikum, Kortison in flüssiger Form und Adrenalin als Injektor.
  • Vermeiden Sie rasche Bewegungen in der Nähe von Bienen und Wespen. Schlagen Sie nicht um sich.
  • Öffnen Sie Ihre Fenster in den Abendstunden.
    Verwenden Sie Insektengitter für Ihre Fenster.
  • Halten Sie sich nicht in der Nähe von reifem Fallobst auf. Vorsicht auch bei Gartenarbeiten.
  • Halten Sie Ihren Körper bedeckt. Tragen Sie lange helle Kleidung und geschlossene Schuhe. Vermeiden Sie gelbe und bunte (blumige) Kleidung. Meiden Sie weite und fliegende Kleidung.
  • Meiden Sie Parfüms, Haarspray und stark parfümierte Pflegeprodukte.
  • Passen Sie beim Sport und Spielen im Freien auf: Durch den Schweißgeruch werden stechende Insekten angezogen.
  • Essen und trinken Sie möglichst nicht im Freien, insbesondere sollten Sie Süßes und Fleisch vermeiden.

    Decken Sie Trinkgläser ab.


  • Bienen und Wespen halten sich oft in Bodennähe auf: Laufen Sie daher nicht barfuß über Grünflächen.
  • Meiden Sie Mülltonnen und Abfallkörbe im Freien.
  • Beachten Sie, dass Insekten an schwülheißen Tagen besonders aggressiv sein können.
  • Insektenschutz in Form von Lotionen oder Cremes bieten keinen ausreichenden Schutz!

Voegel
Eine Wespe sitzt gern auf süßen Speisen und Getränken. Wenn man nicht aufpasst, kann sie beim nächsten Bissen oder Schluck in den Mund gelangen und hier stechen.
Deshalb sollte man Getränke und Speisen abdecken.

Gibt es eine Allergie gegen Mücken?


Fliegen und Mücken gehören zu den am häufigsten vorkommenden Insekten.
Allergien auf das Speichelsekret von Mücken ist eher selten.

Lokale Stichreaktionen können aber auftreten, besonders bei Stechmücken, Kriebelmücken, Bremsen, Tsetsefliegen, Hirschlausfliegen.
Allergische Reaktionen können auch durch Mücken- und Fliegenlarven auftreten.
Die Beschwerden sind meist milder als bei einer Bienen- und Wespengiftallergie.

Die Abheilung der Lokalreaktion kann mit einer Kortisonsalbe und Kühlung beschleunigt werden.



Wespen halten sich meist in Bodennähe auf. Deshalb sollt man nicht barfuß laufen.

Eine Wespenkönigin beginnt ihr Nest zu bauen.

Wespennest

Was leisten die gesetzlichen Krankenkassen?


Bei einer Tier-Allergie übernehmen die Krankenkassen oft die Kosten für

  • Allergie-Tests
  • Medikamente zur symptomatischen Therapie (nur in Einzelfällen)
  • Hyposensibilisierung als kausale Therapie zur Heilung bzw. Besserung ist bei Allergien gegen Bienen- und Wespengift möglich.

 

Eine Hyposensibilisierung führt z.B. der HNO-Arzt durch.

Wir beraten Sie gern. Vereinbaren Sie einen Termin: (030) 787 51 58


(7/2019)